Gut zu wissen
Wie legt man das Häs richtig an? Wie meldet man sich zu einem Narrentreffen an? Wie läuft die Hausfasnet in Waldmössingen ab, und wie kommt man zu einem eigenen Narrenkleid? Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.
Wie sich ein Narr anzuziehen hat
Ein Narr tritt grundsätzlich nur in vollständiger Montur auf – zu Umzügen und Auftritten wird man ausschließlich im kompletten Häs mitgenommen. Zur Ausstattung gehören:
Auswurf – selbst mitbringen
Was ausgeworfen wird, bringt jeder Hästräger selbst mit: beim Hansel die Brezeln, beim Jockele und Schantle die Orangen. Warum gerade die Brezel? Mehr dazu unter „Bräuche & Begriffe".
Verhalten unter der Larve
- Es heißt Fasnet – das Gewand ist ein Häs, kein „Kostüm".
- Auf den Narrenruf wird geantwortet: „Hoorig isch dia Katz am Bauch – ond net nao am Schwanz!"
- Der Hansel bewegt sich in vorgeschriebener Schrittfolge; nach dem Betzeitläuten ist er nicht mehr aktiv.
- Im Häs gilt das Jugendschutzgesetz.
- Das Häs wird gepflegt und über Generationen vererbt, nicht jährlich gewechselt.
- Mit Anstand und Humor unterwegs sein – die Waldmössinger treten stets goarnet (geordnet) auf.
Anmeldung zu Narrentreffen & Umzügen
Wer bei auswärtigen Narrentreffen und Umzügen mitläuft, meldet sich vorher an. So geht's:
- An der Gildeversammlung anmelden. Die Anmeldung zu den Narrentreffen und Umzügen ist nur an der Gildeversammlung sowie an zwei weiteren, rechtzeitig bekanntgegebenen Terminen möglich.
- Auswurfbons erwerben. Für die auswärtigen Treffen werden Anmeldung und Auswurfbons direkt an der Versammlung gekauft. Beim eigenen Ringtreffen in Waldmössingen ist der Auswurf kostenfrei.
- Mitgliedsausweis bereithalten. Der Ausweis wird kontrolliert; in den Bussen fahren nur Mitglieder der Zunft mit.
- Abfahrtszeiten beachten. Die Abfahrtszeiten der Busse stehen jeweils im aktuellen Mitteilungsblatt.
Die Narrenzunft Waldmössingen ist Mitglied im Narrenring Oberer Neckar und besucht die befreundeten Zünfte bei deren Treffen.
Wie die Hausfasnet abläuft
Die Hausfasnet wird in Waldmössingen bereits seit dem 19. Jahrhundert praktiziert und ist damit die wohl älteste Brauchform der Waldmössinger Fasnet. Waldmössingen dürfte heute die einzige Gemeinde der Umgebung sein, in der sie noch in dieser überlieferten Form gepflegt wird. Am Fasnetsmontag und -dienstag ziehen die Narren von Haus zu Haus und von Wirtschaft zu Wirtschaft.
Treffpunkte
- Fasnetsmontag: Treffpunkt 09:00 Uhr im Kirchengemeindezentrum.
- Fasnetsdienstag: Treffpunkt 09:30 Uhr im Gasthaus Rössle.
So ist es organisiert
- Jeder Narr wird registriert und erhält seinen Sprungbändel.
- Der Gildemeister teilt die Gruppen ein – jeder Narrengruppe wird ein bestimmtes Straßengebiet zugeteilt, in dem die Hausbesuche stattfinden.
- Vor der Aussendung werden die Narren auf die Narrenordnung verwiesen: gutes Benehmen, aufsagen ohne jemanden zu erzürnen, möglichst unerkannt bleiben und die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren.
Worauf es ankommt
- Unterwegs im kompletten Häs – und im Häs gilt das Jugendschutzgesetz.
- Die Hausfasnet endet mit dem Betzeitläuten. Danach gehen die Hansel nicht mehr in ein neues Haus und sind auf der Straße nicht mehr aktiv; Schantle und Jockele dürfen darüber hinaus noch aktiv sein. Abends verlagert sich das Treiben in die Gasthäuser im Dorf.
- Den Auswurf (Brezeln bzw. Orangen) bringt jeder selbst mit.
Wie man ein Narrenkleid bestellt
Ein eigenes Häs ist eine Anschaffung fürs Leben – handgefertigt und über Generationen weitergegeben. Der Weg zum eigenen Waldmössinger Narrenkleidle führt über die Zunft und die Hanselgilde.
- Kontakt zur Zunft / Hanselgilde aufnehmen. Die Gilde organisiert seit 1963 die Anfertigung der Waldmössinger Hansel; alle Kleidle sind einheitlich und werden nur über die Gilde in Auftrag gegeben.
- Häs-Typ wählen. Hansel, Schantle oder Jockele – die Zunft berät, welches Kleidle infrage kommt.
- Larve schnitzen lassen. Die hölzerne Glattlarve wird individuell in Handarbeit geschnitzt – das braucht Vorlauf.
- Häs anfertigen lassen. Bemalter Kittel, Hose, Rollen und Zubehör kommen hinzu; die Anschaffung entsteht in Abstimmung mit der Gilde.
Bräuche & Begriffe
Warum „Goarnete"? Was hat es mit dem Fuchsschwanz, der Brezel und dem Fasnetsmarkt auf sich? Tippen zum Aufklappen.
G Die Goarnete
„So springet nao die Goarnete…" – so heißt es im Narrenmarsch. Goarnete ist seit langem der Ortsneckname der Waldmössinger. Doch warum gerade „geordnet"?
In einer Ortsbeschreibung des Oberamts Oberndorf von 1868 wurden die Waldmössinger als besonders vorbildlich geschildert. Das weckte bei den Nachbarn Neid und Spott – seither sind die Waldmössinger die „Goarnete".
„… die Einwohner, ein gesunder kräftiger Menschenschlag, sind fleißig, mäßig, sparsam, an Ordnung gewöhnt und eifrige Kirchgänger …" – Oberamtsbeschreibung Oberndorf, 1868
Seither versuchen die Waldmössinger, diesem guten Urteil gerecht zu werden – und treten nicht nur an der Fasnet stets goarnet in Erscheinung.
F Der Fuchsschwanz
Den Fuchsschwanz am Narrenkleid – beim Hansel an der Larvenhaube, beim Jockele am Neckstecken – deuten die meisten als Sinnbild der Schläue: schlau wie der Fuchs.
Der Brauchtumsforscher Werner Mezger weist allerdings darauf hin, dass der Fuchsschwanz historisch das Gegenteil bedeutete: In der Vorstellungswelt des späten Mittelalters stand er für Falschheit und Heuchelei. Einen „Fuchsschwänzer" zu nennen galt vom 16. Jahrhundert an als schwere Beleidigung – der Fuchsschwanz wurde als Schandzeichen getragen.
B Die Brezel in der Fasnet
Die Brezel ist das volkstümlichste Kleingebäck überhaupt – und beim Hansel das wichtigste Auswurfmaterial. Ursprünglich von Mönchen kreiert, ist sie ein Gebildbrot und symbolisiert die zum Beten verschränkten Arme (von lat. bracellum = Ärmchen) – ein klassisches Fasten- und Devotionalgebäck.
Dass ausgerechnet Brezeln in der Fasnet ausgeworfen werden, passt zur verkehrten Welt: Der Narr, einst eine heischende (fordernde) Figur, tritt nun selbst als großzügiger Gabenspender auf.
M Der Waldmössinger Fasnetsmarkt
Mit Schreiben vom 5. Februar 1892 befürwortete die königlich-württembergische Regierung das Gesuch, die eingegangenen Märkte wieder abzuhalten. Seither finden in Waldmössingen an drei Tagen im Jahr Märkte statt.
Der erste Markttag fiel oft auf den ersten Montag im März und damit zuweilen mit dem Fasnetstreiben zusammen. Früher gab es einen närrischen Viehauftrieb, heute einen Fasnetsmarkt mit allerhand Lustigem.
? Wie lange dauert die Fasnet?
Die Fasnet richtet sich nach dem beweglichen Ostertermin. Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond – entsprechend früh oder spät liegt der Aschermittwoch.
Am frühesten endet die Fasnet am 3. Februar (dann dauert sie nur 28 Tage), am spätesten am 10. März (dann 63 Tage). Und warum dauert die „40-tägige" Fastenzeit eigentlich 46 Tage? Seit dem Konzil von Benevent werden die Sonntage aus der Fastenzeit ausgeklammert.
Wir helfen gerne weiter
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