Narrenzunft Waldmössingen 1935 e.V. · Traditionen leben
Für Narren & Neugierige

Gut zu wissen

Wie legt man das Häs richtig an? Wie meldet man sich zu einem Narrentreffen an? Wie läuft die Hausfasnet in Waldmössingen ab, und wie kommt man zu einem eigenen Narrenkleid? Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

Wie sich ein Narr anzuziehen hat

Ein Narr tritt grundsätzlich nur in vollständiger Montur auf – zu Umzügen und Auftritten wird man ausschließlich im kompletten Häs mitgenommen. Zur Ausstattung gehören:

Hose und Kittel des jeweiligen Häs
Larve (geschnitzte Holzmaske)
Weißes Hemd
Weiße Handschuhe
Schwarze Glattlederschuhe
Geschellriemen / Rollen (das Gschell)
Korb und Brezelstange (Hansel)
Mitgliedsausweis

Auswurf – selbst mitbringen

Was ausgeworfen wird, bringt jeder Hästräger selbst mit: beim Hansel die Brezeln, beim Jockele und Schantle die Orangen. Warum gerade die Brezel? Mehr dazu unter „Bräuche & Begriffe".

Verhalten unter der Larve

  • Es heißt Fasnet – das Gewand ist ein Häs, kein „Kostüm".
  • Auf den Narrenruf wird geantwortet: „Hoorig isch dia Katz am Bauch – ond net nao am Schwanz!"
  • Der Hansel bewegt sich in vorgeschriebener Schrittfolge; nach dem Betzeitläuten ist er nicht mehr aktiv.
  • Im Häs gilt das Jugendschutzgesetz.
  • Das Häs wird gepflegt und über Generationen vererbt, nicht jährlich gewechselt.
  • Mit Anstand und Humor unterwegs sein – die Waldmössinger treten stets goarnet (geordnet) auf.
Brauchtum erklärt

Bräuche & Begriffe

Warum „Goarnete"? Was hat es mit dem Fuchsschwanz, der Brezel und dem Fasnetsmarkt auf sich? Tippen zum Aufklappen.

G Die Goarnete

„So springet nao die Goarnete…" – so heißt es im Narrenmarsch. Goarnete ist seit langem der Ortsneckname der Waldmössinger. Doch warum gerade „geordnet"?

In einer Ortsbeschreibung des Oberamts Oberndorf von 1868 wurden die Waldmössinger als besonders vorbildlich geschildert. Das weckte bei den Nachbarn Neid und Spott – seither sind die Waldmössinger die „Goarnete".

„… die Einwohner, ein gesunder kräftiger Menschenschlag, sind fleißig, mäßig, sparsam, an Ordnung gewöhnt und eifrige Kirchgänger …" – Oberamtsbeschreibung Oberndorf, 1868

Seither versuchen die Waldmössinger, diesem guten Urteil gerecht zu werden – und treten nicht nur an der Fasnet stets goarnet in Erscheinung.

F Der Fuchsschwanz

Den Fuchsschwanz am Narrenkleid – beim Hansel an der Larvenhaube, beim Jockele am Neckstecken – deuten die meisten als Sinnbild der Schläue: schlau wie der Fuchs.

Der Brauchtumsforscher Werner Mezger weist allerdings darauf hin, dass der Fuchsschwanz historisch das Gegenteil bedeutete: In der Vorstellungswelt des späten Mittelalters stand er für Falschheit und Heuchelei. Einen „Fuchsschwänzer" zu nennen galt vom 16. Jahrhundert an als schwere Beleidigung – der Fuchsschwanz wurde als Schandzeichen getragen.

B Die Brezel in der Fasnet

Die Brezel ist das volkstümlichste Kleingebäck überhaupt – und beim Hansel das wichtigste Auswurfmaterial. Ursprünglich von Mönchen kreiert, ist sie ein Gebildbrot und symbolisiert die zum Beten verschränkten Arme (von lat. bracellum = Ärmchen) – ein klassisches Fasten- und Devotionalgebäck.

Dass ausgerechnet Brezeln in der Fasnet ausgeworfen werden, passt zur verkehrten Welt: Der Narr, einst eine heischende (fordernde) Figur, tritt nun selbst als großzügiger Gabenspender auf.

M Der Waldmössinger Fasnetsmarkt

Mit Schreiben vom 5. Februar 1892 befürwortete die königlich-württembergische Regierung das Gesuch, die eingegangenen Märkte wieder abzuhalten. Seither finden in Waldmössingen an drei Tagen im Jahr Märkte statt.

Der erste Markttag fiel oft auf den ersten Montag im März und damit zuweilen mit dem Fasnetstreiben zusammen. Früher gab es einen närrischen Viehauftrieb, heute einen Fasnetsmarkt mit allerhand Lustigem.

? Wie lange dauert die Fasnet?

Die Fasnet richtet sich nach dem beweglichen Ostertermin. Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond – entsprechend früh oder spät liegt der Aschermittwoch.

Am frühesten endet die Fasnet am 3. Februar (dann dauert sie nur 28 Tage), am spätesten am 10. März (dann 63 Tage). Und warum dauert die „40-tägige" Fastenzeit eigentlich 46 Tage? Seit dem Konzil von Benevent werden die Sonntage aus der Fastenzeit ausgeklammert.

Noch Fragen?

Wir helfen gerne weiter

Ob Häs-Ordnung, Anmeldung oder eigenes Narrenkleid – meld dich bei uns.

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Hoorig isch dia Katz am Bauch – ond net nao am Schwanz!