Erste urkundliche Erwähnung Waldmössingens als Messinga, als Kaiser Otto III. Besitz im Ort dem Kloster Petershausen übereignet. Der Ort zählt zu den ältesten Besiedlungen des Landkreises – auf den Fundamenten eines römischen Kastells (74–260 n. Chr.) steht heute der Eckturm.
Chronik der Narrenzunft
Waldmössingen, vor über 1000 Jahren als Messinga erstmals erwähnt, zählt zu den ältesten Orten des Landkreises. Schon lange vor der Zunftgründung wurde hier Fasnet gefeiert – die Geschichte einer urwüchsigen, ganz im Dorf verwurzelten Fasnet.
Von Dominos, Drahtlarven und Rollern
Ein Haushaltsbuch von 1848 belegt die Fasnet im Rössle, 1865 verkaufte das Geschäft Gruber bereits Holzmasken, und 1876 berichtet der Oberlehrer Cyprian Rohrer vom Mummenschanz. Als Domino verkleidete Narren zogen von Haus zu Haus.
Prägend waren die Roller – ausgemusterte Hanselkleider aus Rottenburg, Villingen und Oberndorf, die man beim Kreuz- und Rosengarten-Wirt für 30 Pfennig die Stunde auslieh. So entwickelte sich eine lebendige Straßen- und Hausfasnet, die am 16. Februar 1935 mit der Gründung der Narrenzunft in geordnete Bahnen gelenkt wurde.
Die ersten Waldmössinger Hansel der neu gegründeten Hanselgilde, 1964.
„Sensation: Altweibermühle!"
Am 15. Februar 1935 wurde durch die Ortsschelle bekannt gemacht, dass sich am 16. Februar abends acht Uhr alle Narren im Gasthaus zum Kreuz versammeln sollten. 40 kamen, 23 traten bei. Das historische Protokollbuch hält den Beginn fest – und das Motto der ersten Fasnet:
„Fasnachtssonntag: … Im Rösslesaal war großer Faschingstrubel mit Maskenball und Tanz. … Fasnachtmontag: Mittags 12 h Beginn der Vorführung der Altweibermühle. Alles war in bester Stimmung. Im ganzen Dorf wurde herumgefahren und in allen Hotels und Wirtschaften wurde halt gemacht. … An alle Kinder wurden Wecken und Würste verteilt als nie vergessene Gabe …"— Protokollbuch der Narrenzunft, 1935
Die Zunft im Lauf der Jahrzehnte
Im Haushaltsbuch des Bürgers Christian Haas und seines Nachfolgers Lorenz Gruber ist die Fasnet belegt: Gruber notiert, bei der Fasnet im Rössle 1 Gulden und 12 Kreuzer verbraucht zu haben.
Das Generalwarengeschäft Gruber verkauft Tüchles- und Drahtlarven – und bereits Holzmasken. Die Fasnet ist im Dorf fest verankert.
Im Lebenslauf des Oberlehrers Cyprian Rohrer wird vom Mummenschanz berichtet: als Domino verkleidete Personen zogen „mit buntbemaltem Gewand … ein Tuch vor dem Gesicht“ von Haus zu Haus.
Die Roller prägen die Fasnet: ausgemusterte Hanselkleider aus Rottenburg, Villingen und Oberndorf, beim Kreuz- und Rosengarten-Wirt ausgeliehen – eine Stunde im Narrenhäs kostete 30 Pfennig. Anfang der 1920er kommt der Hansel erstmals nach Waldmössingen.
Für Kreuzwirt Carl Kimmich wird ein Metzgerhansel gestaltet – mit Glattlarve und metzgertypischen Motiven, darunter das Lamm Gottes, das Zunftzeichen des Metzgerhandwerks.
Gründung am 16. Februar im Gasthaus zum Kreuz: 40 Narren versammeln sich, 23 treten bei. Kreuzwirt Carl Kimmich wird erster Präsident. Motto: „Fasching 1935. Sensation: Altweibermühle!“
Fasnet unter dem Motto „Kirch aus, Narren raus“. Der Elferrat trägt rote Samtfräcke mit grünem Kragen, weiße Hemden mit roter Schleife und rote Kappen. Eine Abordnung besucht die Generalversammlung der NZ Schramberg.
Erstes Bockbierfest im Kreuz unter dem Motto „a Musi, a Gaudi, a Tanz“. Das erste selbstverfasste Narrenblättle Aisere Waldmössinger Wahrheiten erscheint in 250 Stück. Fasnetsmotto: „Juhu, juhei, es lebe hoch die Narretei.“
Carl Kimmich legt sein Amt nieder; Hugo Keller wird am 15. Januar zum Präsidenten gewählt.
Die Zunft zählt 86 Mitglieder. Die letzte Fasnet vor dem Krieg – mit Kriegsbeginn enden alle Aktivitäten.
Letzter Eintrag ins historische Protokollbuch (Lukas Weber, 17. Februar): „Die Zunft bleibt bestehen … Was nach dem Krieg geschieht wissen wir jetzt noch nicht … drei kräftige Narro! Narro! Narro!“
Bescheidenes Bockbierfest im Kreuz. Die Sieben Weißen – eine Gruppe junger Männer – tragen die alten Roller und helfen, die Tradition wiederzubeleben. Ludwig Kimmich trägt die Fasnet zurück ins Dorf.
Die Sieben Weißen geben wieder ein Narrenblättle heraus – gedruckt bei Gatzer & Hahn, verkauft für 50 Pfennig und ein Ei.
Die Straßen- und Hausfasnet blüht: Roller und Dominos ziehen durchs Dorf, Kinder haben ihren eigenen Ball, das Sauwadelessen am Schmotzigen ist fester Brauch.
Gründung der Hanselgilde am 18. März; Max Erath wird Gildemeister. 21 Gründer bestellen je einen neuen Waldmössinger Hansel. Vorbild für die Larve ist eine 1925 geschnitzte Rollerlarve – die Ur-Larve.
Die ersten 21 Waldmössinger Hansel sind fertig und springen am Fasnetssonntag vom Hasen aus erstmals durchs Dorf.
Der Schantle tritt erstmals auf – seine Bartlarve trägt die Gesichtszüge von Gründungspräsident Carl Kimmich. Auch ein Bennerrössle entsteht.
Am 11. November erklingt der Waldmössinger Narrenmarsch (Komposition Artur Daubenberger, Text Erna Daubenberger) erstmals – zugleich Premiere des Kinderkleidles.
Auf Initiative von Alois Stauß (Aistaig) gründet sich der Narrenring Oberer Neckar; die Hanselgilde tritt bei. Der Kirchenbrand im Januar erschwert die Fasnetsorganisation der Vereine.
Wiedergründung der Narrenzunft am 11. April mit Satzungsbeschluss. Eugen Kimmich wird Präsident. Schlüsselübergabe und Fahnenhissung am Rathaus, Goarneten-Ball.
Das erste Zunftballett tritt beim Ringtreffen in Boll auf. Der Elferrat übernimmt das von den Liederkränzlern abgekaufte Kostüm.
Waldmössingen richtet das 4. Ringtreffen aus: 15 Zünfte und nahezu 1.500 Kleidlesträger ziehen durchs Dorf.
Der Elferrat erhält eine römische Prägung (Feldherrenkleider); erster Altweiberball in der Turnhalle. Narrenmutter Hedwig Erath wird zur guten Seele der Narren.
Der Elferrat kleidet sich fortan als Vögte des späten Mittelalters – in Anlehnung an die Landvögte, die Waldmössingen 800 Jahre lang regierten.
50-jähriges Vereinsjubiläum und 12. Ringtreffen mit über 3.000 Narren. Der Kirchenchor singt den Waldmössinger Narrenmarsch vierstimmig.
Erich Fus wird Präsident; die Hanselgilde feiert ihr 25-jähriges Bestehen.
Einführung des Jockele (drittes Narrenkleidle) am 11. November – als rotes Hagebutten- und blaues Schlehen-Jockele aus dem Heckengäu.
Eine Abordnung gibt beim närrischen Staatsempfang in der Villa Reitzenstein bei Ministerpräsident Erwin Teufel ihre Aufwartung.
60-jähriges Jubiläum und 17. Ringtreffen mit über 3.000 Narren.
Siegfried Erath übernimmt die Präsidentschaft; der Elferrat erhält ein einheitliches Vogtkostüm.
Agatha Langenbacher wird zur Narrenmutter ernannt.
Umzug in die neue Kastellhalle: „tschüss Kirchberghalle, Hallo Kastellhalle“.
Die Hanselgilde zählt 289 Kleidlesträger: 139 Hansel, 33 Schantle, 86 Jockele und 31 Kinderkleidle.
75-jähriges Jubiläum der Narrenzunft, gefeiert mit dem 23. Ringtreffen des Narrenrings Oberer Neckar in Waldmössingen.
„Die Zunft bleibt bestehen, die Sachen u. Gegenstände der Zunft sind im Zunftkasten beim Ehrenpräsident C. Kimmich aufbewahrt. … Was nach dem Krieg geschieht wissen wir jetzt noch nicht … drei kräftige Narro! Narro! Narro!"— Letzter Eintrag ins historische Protokollbuch, 17. Februar 1940
Es sollte einige Jahre dauern, bis die Narrenzunft wieder auferstehen konnte. 1970 war es so weit.